Fractured Symbiosis, von Atelier Mejía / Wälz in Zusammenarbeit mit dem
Medienkünstler Kui Xu.
Interaktive Multi-Kanal-Videoprojektion, Stereo-Klanglandschaft
Die Installation untersucht den menschlichen Fußabdruck, zugleich als Zeichen der Zerstörung wie auch als mögliche Geste für Demut,Rückzug und ökologische Rehabilitation. Sie basiert auf der paradoxen Idee, dass nicht das Eintreten und Intervenieren, sondern das Zurückweichen den Raum für Heilung öffnet: Abwesenheit als Strategie der ökologischen Resilienz. Wir leben in einer Zeit rasanter ökologischer Veränderungen und beginnen erst langsam zu begreifen, wie sehr unsere Beziehung zur natürlichen Umwelt im Laufe des Anthropozän beschädigt wurde. Zu oft haben wir genommen, ohne zurückzugeben.
Fractured Symbiosis lädt dazu ein, über die Intimität von Ökosystemen nachzudenken, und darüber, wie wir uns wieder als Teil einer ausgewogenen, wechselseitigen Verbindung mit der Erde erinnern und verorten können. Fractured Symbiosis gibt der Natur eine Stimme. Jener Natur, die uns nicht direkt anspricht, sondern in Zeichen, Reaktionen und Prozessen kommuniziert, deren Komplexität und Lebendigkeit wir erst nach und nach anzuerkennen lernen. Technologie wird dabei zum Medium, das diese Koexistenz erfahrbar macht. Projektionen wirken wie Spiegel: Sie laden die Besucher:innen ein, über ihre eigene Rolle nachzudenken, als Störende ebenso wie als mögliche Fürsorgende.
Die Installation verschiebt den Blick von einer anthropozentrischen Weltsicht hin zu einem Verständnis des Menschen als Teil eines gemeinsamen, verflochtenen Gefüges mit dem Mehr-als-Menschlichen.
Was geschieht, wenn wir nicht mehr anwesend sind?
Können Zurückhaltung und Rückzug zu Regeneration führen?
Fractured Symbiosis wirft ethische Fragen über unsere Eingriffe in Ökosysteme auf, zugleich schafft sie emotionale Nähe zu deren Schönheit und Zerbrechlichkeit. Sie eröffnet einen Dialog über Verantwortung, Resilienz und Regeneration. Nicht durch Dominanz oder Wachstum, sondern durch Demut, Gegenseitigkeit und das Anerkennen von Grenzen.
Ein Werk, das nicht da ist, um es zu betrachten.
Atelier Mejía/Wälz verbindet Kunst mit wissenschaftlicher Neugier und arbeitet mit New Media, Projection Mapping und raumgreifenden Installationen. Im Zentrum steht die biomorphe Abstraktion und die visuellen Landschaften, die sie eröffnet. Durch das Zusammenspiel von Licht, Video, Klang und künstlerischer Forschung hinterfragt das Duo die Grenzen der Wahrnehmung und lädt dazu ein, neue Formen des Sehens und Fühlens zu erproben. Ihre Arbeiten sind inspiriert von Natur, Anthropozän, urbanen Räumen und biomimetischen Prinzipien und thematisieren die Fragilität ökologischer Systeme ebenso wie die Rolle des Menschen darin. Architektonische und orts-spezifische Projekte verweben digitale und analoge Erzählweisen zu vielschichtigen, sinnlichen
Erfahrungen. Im Fokus stehen biologische Prozesse, die verborgene Zusammenhänge sichtbar machen und Einblicke in organische Strukturen eröffnen. Angesichts des Klimawandels rufen Werke wie Fractured Symbiosis dazu auf, unsere gestörte Beziehung zur Natur neu zu überdenken und Wege des Erinnerns und Wieder-Verbindens zu suchen.
Camila Mejía ist eine kolumbianische Künstlerin, deren skulpturale und lichtbasierte Installationen die Schnittstellen von Natur, Erinnerung und Transformation erkunden. Sie arbeitet mit Wurzeln, Fasern und lebendigem Material und entwickelt ihre Praxis in Prozessen des Flechtens, Pflegens und Lauschens auf die stille Sprache der Pflanzen. Inspiriert von ihren Vorfahr:innen – den Tolimas und Quimbayas, Goldschmied:innen, Töpfer:innen und Landwirt:innen, die in den Zyklen der Natur Weisheit fanden – schafft sie Werke, die Vergangenheit und Zukunft, Tradition und Innovation, Mensch und Natur verbinden. Ihre künstlerische Praxis versteht sie als Akt der Re-story-ation: die Heilung
gebrochener Beziehungen zur Erde durch Erzählen und materielles Handeln. Indem sie lebendige Materialien mit Licht und Raum verwebt, ruft Mejía das Bewusstsein für unsere wechselseitige Verbundenheit mit der Natur neu wach. Kunst als Akt des Widerstands und der Heilung – und als Weg, unseren Platz im lebendigen Gefüge der Erde neu zu erinnern.
Erik Wälz (geb. 1997 in Oldenburg) ist Medienkünstler, Szenograf und Dokumentarfilmer. Mit zeitgenössischen Technologien erforscht er die verborgenen Sprachen der Natur und übersetzt Strukturen, Rhythmen und Formen in Daten, Bilder und Klangkompositionen, die in seinen audiovisuellen Installationen erfahrbar werden. Seine Arbeit bewegt sich zwischen Installation, Performance und Szenografie und entsteht häufig in Zusammenarbeit mit Musiker:innen, Komponist:innen und Wissenschaftler:innen. In diesem Dialog entstehen experimentelle Landschaften an der Schnittstelle von Bild, Klang und Raum, die neue Formen sinnlicher Erfahrung eröffnen. Durch seine Forschung zu immersiven Technologien – darunter psychoakustisches Modellieren, Virtual Reality und 360°-Projektion – erweitert Wälz die atmosphärischen und kompositorischen Möglichkeiten der Wahrnehmung. Seine zeitbasierten Arbeiten wollen bleibende Eindrücke hinterlassen und dazu anregen, über das nachzudenken, was wir als Leben begreifen – und wie wir ihm begegnen.
Kui Xu ist ein digitaler Medienkünstler und Designer, der aktuell sein Masterstudium im Fach Digitale Medien in Bremen absolviert. Mit einem Hintergrund in digitaler Medientechnologie arbeitet Kui an der Schnittstelle von Interaktionsdesign, immersiven Installationen und Video Mapping. Seine vielfältige Praxis umfasst 3D-Modellierung, KI-generierte Inhalte (AIGC), Animation und AR/VR-Simulationen. Gestützt auf starke Programmierkenntnisse, nutzt er Technologie als Medium, um ansprechende, intuitive und multisensorische Erlebnisse zu schaffen. Kui stammt aus Kanton, China, und widmet
sich mit besonderer Leidenschaft dem Einsatz neuer Medientechnologien zur Vermittlung traditioneller chinesischer Kultur und Philosophie. Sein Ziel ist es, mithilfe von Technologie immersive Erlebnisse zu schaffen, die es der Öffentlichkeit ermöglichen, Traditionen in einem lebendigen und zeitgenössischen Licht zu begegnen.
www.mejiawaelz.de I @ateliermejiawaelz
www.kuixu.top I @kui.ku_i
English version:
Fractured Symbiosis, by Atelier Mejía / Wälz and media artist Kui Xu, will be presented at the Teepavillon Große Wallanlagen in the heart of Planten un Blomen, Hamburg. This interactive installation explores the human footprint as both a symbol of fracture and a possible gesture of humility, withdrawal, and ecological recovery. It is built on the paradoxical idea that stepping back, rather than forward, can open the way for healing, framing absence as a strategy of repair. We are living through accelerating environmental change while slowly recognising the broken relationship we have created with the more-than-human world during the Anthropocene. Too often, we have taken without remembering to give back. Through this work, we reflect on the fragility of ecosystems and on the possibility of re-membering our place in a balanced, reciprocal relationship with the Earth. Fractured Symbiosis gives presence to nature, who cannot speak to us directly but communicates through signs, reactions, and processes we are only beginning to perceive in their entirety. Projections act as mirrors, inviting viewers to reflect on their own role as both agents of disruption and potential agents of care. The installation shifts the perspective from an anthropocentric worldview to an
understanding of humans as part of a shared, interconnected fabric with more-than-human. Technology becomes a mediator, allowing visitors to sense this coexistence.
What happens when we are no longer there?
Can restraint and withdrawal become acts of healing?
How might absence, distance, and letting go serve as forms of repair?
Fractured Symbiosis raises ethical questions about our disruption of ecosystems while fostering emotional connections to their beauty and fragility. It encourages dialogue about responsibility, resilience, and repair and imagines healing not through dominance or growth, but through humility, reciprocity, and respect for boundaries.
A work that exists to remain unseen.
Atelier Mejía/Wälz harmonises art with scientific curiosity, combining new media, projection mapping, spatial installations, and soundscape. Their focus lies in biomorphic abstraction and the visual landscapes it reveals, blending light, video, and sound with artistic research to challenge perception and invite audiences to imagine in new ways. Inspired by the interplay of nature, the Anthropocene, urban environments, and biomimetic principles, their installations reflect on ecological fragility while questioning humanity’s role within it. Site-specific works and architectural installations weave
audiovisual storytelling that bridges digital and analogue materials, producing cross-sensory experiences that blur disciplinary boundaries. Rooted in biological processes, their practice seeks to spark curiosity about the natural systems surrounding us, making hidden phenomena visible through images of diverse micro-environments. In the context of climate change, works like Fractured Symbiosis invite reflection on our fractured relationship with nature and the urgent need to re-member and reconnect in a rapidly changing world.
Camila Mejía is a Colombian artist whose sculptural and light-based installations explore the intersections of nature, memory, and transformation. Working with roots, fibres, and living matter, her practice has evolved through weaving, tending, and listening to the silent language of plants. Inspired by her ancestors, the Tolimas and Quimbayas, goldsmiths, potters, and farmers who recognised wisdom in nature’s cycles, she creates works that bridge past and future, tradition and innovation, human and natural. She understands her practice as an act of re-story-ation: healing fractured relationships with the Earth through storytelling and material engagement. By weaving together
organic materials, light, and space, Mejía rekindles awareness of human interdependence with the living world. Through light, movement, and slow transformation, her installations honour ecological diversity and ancestral continuity. Art as an act of resistance and repair, and as a way of re-membering our place within the living Earth.
Erik Wälz (b. 1997, Oldenburg, Germany) is a media artist, scenographer, and documentary filmmaker whose work explores the hidden languages of nature. Using contemporary technologies, he translates natural structures, rhythms, and forms into data, images, and sound compositions that emerge as experimental audiovisual installations. Working across installation, performance, and scenography, Wälz often collaborates with musicians, composers, and scientists, creating experimental
landscapes that unfold at the intersection of sound, image, and space. These interdisciplinary dialogues generate new sensory experiences that expand our understanding of perception. His ongoing research into immersive technologies, including psychoacoustic modelling, virtual reality, and 360° projection, extends the atmospheric and compositional potential of the senses. Through time-based experiences, Wälz seeks to leave a lasting impression and foster reflection on what we
define as life, questioning how we encounter and perceive the living world.
Kui Xu is a digital media artist and designer currently pursuing his master’s degree in
Digital Media at Bremen. With a background in digital media technology, Kui works at
the intersection of interaction design, immersive installations, and video mapping. His
diverse practice spans 3D modelling, AIGC, animation, and AR/VR simulation, supported
by strong programming skills. He uses technology as a medium to create engaging,
intuitive, and multisensory experiences.
Coming from Canton, China, Kui is particularly passionate about leveraging new media
technologies to transmit traditional Chinese culture and philosophy. With the support of
technology, he aims to create immersive experiences that allow the public to connect
with traditions in a vibrant, contemporary light.